Zum 8. Mai – Tag der Befreiung

(Auszug aus Kapitel 6 des Buches „Merchants of Despair – Radical Environmentalists, Criminal Pseudo-Scientists, and the Fatal Cult of Antihumanism“ von Robert Zubrin, New Atlantis Books 2012 – mit freundlicher Genehmigung des Verlages)

Wie bereits dargelegt, wurden die Ideen, die in Nazideutschland zum Programm werden sollten, schon lange vor Hitlers Machtergreifung von Ernst Haeckel und seinen Gefolgsleuten innerhalb des deutschen Wissenschaftsbetriebs entworfen.

Wie auch immer, mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus änderte sich das Rollengefüge. Statt lediglich die rationale Unterstützung für einen militaristischen Staat abzugeben, wurde der Darwinismus zum beherrschenden Prinzip des Staates selbst. Wo antihumanistische Ideologie einst eine dienende Funktion hatte, war sie jetzt selbst Meisterin.

Es muss betont werden, dass Nazideutschland nicht nur eine Diktatur war, die ideologisches Geschwätz für Propagandazwecke benutzte. Es war vielmehr eine Tyrannei, die geschaffen wurde, um selbst dieser Ideologie zu dienen, auch dann, wenn ihre Forderungen sowohl den ökonomischen als auch den militärischen Interessen Deutschlands zuwiderliefen.

Der Kaiser und sein Umfeld waren in einer Weise antisemitisch, wie man es sich als traditionsbewusster Eiferer nur wünschen konnte. Das hinderte sie aber nicht daran, einen Beitrag deutscher Juden zur Kriegsführung anzunehmen. Ihr vernunftorientierter Standpunkt machte sich auch bezahlt: Während des Ersten Weltkrieges hatten 100.000 von 500.000 in Deutschland lebenden Juden in Uniform gedient, mehr als 42.000 davon fielen, wurden verwundet oder für ihre Tapferkeit im Einsatz ausgezeichnet.

Während Juden nur 1% der deutschen Bevölkerung stellten, stellten sie 16% der deutschen Ärzteschaft – was im Krieg eine lebensnotwendige Qualifikation darstellt. Sogar noch wichtiger waren die Beiträge jüdischer Wissenschaftler, wie Fritz Habers, dessen Entwicklung eines Verfahrens, um künstlich atmosphärische Nitrate zu binden (wichtig für die Herstellung von Munition) Deutschland vor einer frühen Niederlage bewahrte, als die Britische Blockade die Nitratimporte aus Chile unterband, und dessen spätere Entwicklung von Giftgas Deutschland eine neue Geheimwaffe gab, mittels derer man den Krieg sogar hätte gewinnen können, hätten die Generäle des Kaisers ihren Überraschungswert nicht auf so dümmliche Art und Weise verdorben.

Im Unterschied dazu tötete oder vertrieb Hitler all dieses Leistungspotenzial – eine Entscheidung, deren Bedeutung sich am deutlichsten zeigt, wenn man an die späteren amerikanischen Bemühungen zur Entwicklung der Atombombe denkt und an die Namen der Emigranten aus Staaten der Achsenmächte, die sich in diesem Zusammenhang finden: Albert Einstein, Rudolf Peierls, Otto Frisch, Hans Bethe, Enrico Fermi, Edward Teller, Eugene Wigner, Leó Szilárd und viele mehr.

Als die Nazitruppen die Ukraine, Weißrußland und sogar den Westen Rußlands erreichten, wurden sie ursprünglich von der Bevölkerung, die unter der brutalen Tyrannei Josef Stalins gelitten hatte, als Befreier begrüßt. Aber das völkermörderische Verhalten der Deutschen in den eroberten Gebieten überzeugte die slawische Bevölkerung schnell davon, dass ein Sieg der Sowjetunion ihre einzige Chance darstellen würde, zu überleben.

Während sie die Möglichkeit gehabt hätten, ganze Armeen von Verbündeten aufzustellen, schufen die Nazis bedeutende Partisaneneinheiten, die gegen sie kämpfen sollten. Nazideutschland verschleppte Millionen von Menschen in die Zwangsarbeit, warf aber in der Folge auch jedwede ökonomische Rationalität über Bord, indem sie die wirtschaftlich außerordentlich wertvolle Schar von Arbeitssklaven systematisch abschlachtete und verhungern ließ. Für Nazideutschland war der Völkermord wichtiger als der Sieg.

Wusste wirklich niemand etwas?

Aber die Darwinianische Ideologie beherrschte nicht nur Nazideutschland – sie schuf es und machte dessen Fähigkeit zum Bösen erst möglich. Im Gegensatz zu dem, was manche deutsche Nachkriegshistoriker schrieben, wurden die Grausamkeiten des Nationalsozialismus nicht von ein paar satanischen Fanatikern im Geheimen ausgeführt, während alle anderen als gute Bürger in wohlmeinendem Nichtwissen ihrem anständigen Tagewerk nachgingen. In Wahrheit war eine solche glückliche Unwissenheit gar nicht möglich.

Auf dem Höhepunkt des Dritten Reiches gab es mehr als 20.000 Todeslager und viele von ihnen wurden von den Alliierten nur Stunden, nachdem sie neu befreites Land betraten, entdeckt – weil der Gestank aus den Krematorien sie leicht auffindbar machte.

Hunderttausende Deutsche fanden Arbeit in diesen Einrichtungen, und weitere Millionen waren Mitglieder der Streitkräfte oder Polizeieinheiten, die sich entweder selbst an Völkermordaktionen beteiligten oder sie logistisch unterstützten. Fast jeder Deutsche hatte Freunde oder Familienangehörige, die entweder direkt Beteiligte oder Augenzeugen des Völkermordes waren und die ihre Angehörigen darüber in Kenntnis setzten oder in Kenntnis hätten setzen können, was tatsächlich vorging. Viele sandten Bilder nach Hause zu ihren Eltern, Frauen oder Freundinnen, auf denen sie sich selbst beim Erniedrigen und Töten von Menschen oder beim Posieren mit Leichen ablichten ließen.

Vor allem war die Nazi-Führung auch nie besonders geheimniskrämerisch hinsichtlich ihrer Absichten; der Genozid gegen Juden und Slawen war ein offen ausgegebenes Ziel der Partei, für die 1933 immerhin 17 Millionen Deutsche bei den Wahlen stimmten. Am 20. März 1933, weniger als 2 Monate nach der Machtergreifung, gab der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, die Einrichtung des ersten formalen Konzentrationslagers in Dachau auf einer Pressekonferenz bekannt. Die offizielle Absicht war die Internierung politischer Gegner, aber mit Fortdauer des Implementierungprozesses des Konzentrationslagersystems wurde die deutsche Bevölkerung Zeuge systematischer Entrechtung, körperlicher Übergriffe, zahlreicher Lynchmorde und Massenmorde an Juden, die von 1933 an für alle sichtbar auf den Straßen des Reiches stattfanden, wobei die schlimmsten Verbrechen, wie jene des 10. Novembers 1933 im Rahmen des „Kristallnacht“-Pogroms, im Anschluss daran im Rahmen eindrucksvoller Parteiveranstaltungen und Feiern gefeiert wurden.

Die Behauptung, der von den Nazis organisierte Holocaust hätte hinter dem Rücken einer unwilligen deutschen Bevölkerung stattgefunden, ist schlichtweg falsch. Vielmehr war es erschreckenderweise so, wie es durch den Historiker Daniel Jonah Goldhagen in seinem Buch „Hitlers willige Vollstrecker“ ohne Anlass zum Zweifel dokumentiert wurde, dass das nationalsozialistische Völkermordprogramm in voller Kenntnis und mit grundsätzlicher Unterstützung durch die deutsche Öffentlichkeit ausgeführt wurde.

Die Frage, die seither das Gewissen der Menschheit umtreibt, ist: Wie konnte das geschehen? Wie konnte eine Mehrheit der Bürger einer augenscheinlich zivilisierten Nation sich bewusst für ein solches Verhalten entscheiden? Goldhagen sucht die Antwort im deutschen Antisemitismus. Aber diese Erklärung reicht nicht aus, wenn man bedenkt, dass es Antisemitismus über Jahrhunderte hinweg in vielen anderen Ländern wie Frankreich, Polen oder Rußland auch gegeben hatte und dies manchmal sogar in noch größerem Ausmaß – aber ohne ein auch nur annähernd vergleichbares Ergebnis.

Außerdem richtete sich der nationalsozialistische Völkermord nicht ausschließlich gegen Juden, sondern auch gegen viele andere Bevölkerungsgruppen, die von darwinianischen Eugenikern verachtet wurden, wie Behinderte, Slawen, Homosexuelle oder Zigeuner. Hätten die Nazis gesiegt, wäre der Völkermord ohne jeden Zweifel auch auf andere nichtnordische Europäer, Afrikaner und Asiaten ausgedehnt worden – und das sind auch alle Gruppen, auf die es die Eugenikbewegung abgesehen hatte.

In anderen Worten, das Völkermordprogramm war – wie auch die Nazi-Führung selbst immer wieder betonte – nicht durch altmodisches Eiferertum motiviert. Zweifellos nutzte man Ressentiments dieser Art unter Hinterwäldlern und sonstigen Strolchen, um die Ausführung zu erleichtern. Aber es bedurfte schon mehr, um ein ein Volk, das großteils aus ernsthaften, soliden, pflichtbewussten, hoch gebildeten und ziemlich intellektuellen Menschen bestand, dazu zu bringen, sich einer solchen Sache zu verschreiben. Es bedurfte darwinianischer Wissenschaft.

Durch das Licht pervertierter Vernunft

Der Historiker Richard Weikert kam in seiner bahnbrechenden Studie „Von Darwin zu Hitler: Evolutionäre Ethik, Eugenik und Rassismus in Deutschland“ zum Ergebnis: „Es war nicht der Darwinismus selbst, der zum Holocaust geführt hat, aber ohne den Darwinismus, insbesondere in seiner sozialdarwinistischen und eugenischen Weiterentwicklung, hätten weder Hitler noch seine nazistischen Anhänger den erforderlichen wissenschaftlichen Unterbau vorgefunden, um sich selbst und ihre Kollaborateure davon zu überzeugen, dass eines der widerlichsten Unterfangen aller Zeiten wirklich moralisch gebilligt werden könnte.“

Immer und immer wieder, wenn man in den Memoiren Deutscher aus der Zeit des Nazifizierungsprozesses liest, beispielsweise in kürzlich erschienenen Werken wie Michael Burleighs „Das Dritte Reich: Eine neue Geschichte“ oder Richard Evans „Das Dritte Reich an der Macht“, kann man ein inneres Ringen beobachten, im Zuge dessen die moralischen Maßstäbe sich umzukehren begannen. Jene Deutschen, die Sympathie empfanden für ihre jüdischen Freunde, Nachbarn oder Schulkameraden, kamen zu der Ansicht, dass die innere Stimme, die aus einem solchen Mitgefühl heraus sprach, die Stimme sentimentaler Schwäche wäre, die durch verstandesmäßige Überzeugungen außer Kraft gesetzt werden sollte, die sich ihrerseits wiederum als die Stimme der Pflicht – oder, wenn man so will, sogar als Stimme des Gewissens – präsentierte, die von ihnen verlangte, „das Richtige zu tun“ und hart zu sein.

In Anbetracht dieser Umkehrung moralischer Maßstäbe waren nur wenige Menschen, die sehr stark an einem abweichenden Wertesystem festhielten – wie es beispielsweise oft bei streng gläubigen Katholiken der Fall war -, in der Lage, sich dieser zu verschließen. Die Folge war, dass sie von der Mehrheit als irrationale und rückwärtsgewandte religiöse Fanatiker betrachtet wurden.

Wie auch immer: Die Malthusianische Theorie der begrenzten Ressourcen hatte neben dem Darwinismus noch einen zweiten Abkömmling, der seiner Unterstützung für ein Genozidprogramm Ausdruck verleihen sollte. Dieser Zwilling war der Ökologismus, der in Deutschland, wie auch in den USA, durch die gemeinsame Mutterphilosophie eng mit der Eugenik verbunden war.

Auf den ersten Blick würde man eigentlich die Nazis mit ihren die Luft einschwärzenden, durch Braunkohle befeuerten, synthetischen Treibstoffindustrien oder mit ihren Krematorienschloten, die menschliche Asche über die Landschaft streuten, nicht unbedingt als Rollenmodell für Umweltbewusstsein betrachten. Zweifellos tat das Dritte Reich praktisch nicht allzu viel, um die Umweltsituation in Europa zu verbessern. Aber vom ideologischen Standpunkt aus gesehen, wenn es darum ging, die These zu verbreiten, die Aktivitäten von Menschen (insbesondere nicht-nordischen) müssten eingeschränkt werden, um die Heiligen Stätten der Natur zu bewahren, waren sie so grün wie nur irgendwie möglich.

Geht man bis zu Haeckel zurück, wurden diese Ideen am Stimmigsten für die Nazis aufbereitet durch den antisemitischen und neuheidnischen Nietzscheaner und Philosophen Ludwig Klages, der 1913 den Traktat „Mensch und Erde“ verfasste. Ursprünglich für den internen Gebrauch der protonazistischen deutschen „Zurück zur Natur“-Jugendbewegung verfasst, umschrieb er darin vollumfänglich jene konservationistische Agenda, die sich gegen die Menschheit, den technologischen Fortschritt, die industrielle Entwicklung und verbesserte Landwirtschaft richtete, und die seither eine zentrale Rolle innerhalb der Umweltbewegung spielt (1980 wurde „Mensch und Erde“ übrigens unkommentiert als eines der Gründungsdokumente der westdeutschen Grünen nachgedruckt).

Viele führende Nazis, wie Hitler, Himmler, Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß, Landwirtschaftsminister Richard Walter Darré, Industrieminister Fritz Todt, vor allem aber und für die Zukunft am folgenschwersten, Hitlerjugend-Führer Baldur von Schirach griffen diese Ideen auf. Das Resultat war, dass bis 1939 der Organisationsgrad unter Mitgliedern von Naturschutzbewegungen innerhalb der NSDAP sechsmal so hoch war wie jener der Gesamtbevölkerung (60 Prozent gegenüber 10 Prozent). Nicht nur um der rassischen Reinheit des deutschen Volkes Willen, sondern im Namen der als klare moralische Notwendigkeit betrachteten Rettung der Erde selbst, sollten nach Vorstellung dieser Leute die minderwertigen Rassen der Menschheit einfach eliminiert werden.

Sowohl das generelle Wissen der Bevölkerung um den Völkermord als auch die Umkehrung moralischer Maßstäbe, die es ihr erlaubte, diesen zu unterstützen, werden in ergreifender Weise in den Schriften einer Handvoll Deutscher dokumentiert, die, auf der Grundlage ihrer religiösen Überzeugungen, in der Lage waren, gegen den Strom zu schwimmen.

Am Ausdrucksvollsten waren dabei die tapferen Studenten der aus München stammenden Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, die in ihrer Flugblattserie im Herbst 1942 Zeugnis ablegte:

„Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique „regieren“ zu lassen. Ist es nicht so, daß sich jeder ehrliche Deutsche heute seiner Regierung schämt, und wer von uns ahnt das Ausmaß der Schmach, die über uns und unsere Kinder kommen wird, wenn einst der Schleier von unseren Augen gefallen ist und die grauenvolisten und jegliches Maß unendlich überschreitenden Verbrechen ans Tageslicht treten? Wenn das deutsche Volk schon so in seinem tiefsten Wesen korrumpiert und zerfallen ist, daß es, ohne eine Hand zu regen, im leichtsinnigen Vertrauen auf eine fragwürdige Gesetzmäßigkeit der Geschichte das Höchste, das ein Mensch besitzt und das ihn über jede andere Kreatur erhöht, nämlich den freien Willen, preisgibt, die Freiheit des Menschen preisgibt, selbst mit einzugreifen in das Rad der Geschichte und es seiner vernünftigen Entscheidung unterzuordnen wenn die Deutschen, so jeder Individualität bar, schon so sehr zur geistlosen und feigen Masse geworden sind, dann, ja dann verdienen sie den Untergang. […]“

(Erstes Flugblatt der Weißen Rose)

„[…] Seit der Eroberung Polens sind dreihunderttausend Juden in diesem Land auf bestialischste Art ermordet worden. Hier sehen wir das fürchterlichste Verbrechen an der Würde des Menschen, ein Verbrechen, dem sich kein ähnliches in der ganzen Menschengeschichte an die Seite stellen kann. Auch die Juden sind doch Menschen – man mag sich zur Judenfrage stellen, wie man will -, und an Menschen wurde solches verübt. (…) Warum verhält sich das deutsche Volk angesichts all dieser scheußlichsten menschenunwürdigsten Verbrechen so apathisch? Kaum irgend jemand macht sich Gedanken darüber. Die Tatsache wird als solche hingenommen und ad acta gelegt. Und wieder schläft das deutsche Volk in seinem stumpfen, blöden Schlaf weiter und gibt diesen faschistischen Verbrechern Mut und Gelegenheit, weiterzuwüten und diese tun es. Sollte dies ein Zeichen dafür sein, daß die Deutschen in ihren primitivsten menschlichen Gefühlen verroht sind, daß keine Saite in ihnen schrill aufschreie im Angesicht solcher Taten, daß sie in einen tödlichen Schlaf versunken sind, aus dem es kein Er-wachen mehr gibt, nie, niemals? Es scheint so und ist es bestimmt, wenn der Deutsche nicht endlich aus dieser Dumpfheit auffährt, wenn er nicht protestiert, wo immer er nur kann, gegen diese Verbrecherclique, wenn er mit diesen Hunderttausenden von Opfern nicht mitleidet. Und nicht nur Mitleid muß er empfinden, nein, noch viel mehr: Mitschuld. Denn er gibt durch sein apathisches Verhalten diesen dunklen Menschen erst die Möglichkeit, so zu handeln, er leidet diese Regierung, die eine so unendliche Schuld auf sich geladen hat, ja, er ist doch selbst schuld daran, daß sie überhaupt entstehen konnte! Ein jeder will sich von einer solchen Mitschuld freisprechen, ein jeder tut es und schläft dann wieder mit ruhigstem, bestem Gewissen. Aber er kann sich nicht freisprechen, ein jeder ist schuldig, schuldig, schuldig!“

(Zweites Flugblatt der Weißen Rose)

„Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt, ist Lüge. Wenn er Frieden sagt, meint er den Krieg, und wenn er in frevelhaftester Weise den Namen des Allmächtigen nennt, meint er die Macht des Bösen, den gefallenen Engel, den Satan. Sein Mund ist der stinkende Rachen der Hölle, und seine Macht ist im Grunde verworfen. Wohl muß man mit rationalen Mitteln den Kampf wider den nationalsozialistischen Terrorstaat führen; wer aber heute noch an der realen Existenz der dämonischen Mächte zweifelt, hat den metaphysisehen Hintergrund dieses Krieges bei weitem nicht begriffen. Hinter dem Konkreten, hinter dem sinnlich wahrnehmbaren, hinter allen sachlichen, logischen Überlegungen steht das Irrationale, d. i. der Kampf wider den Dämon, wider den Boten des Antichrists. Überall und zu allen Zeiten haben die Dämonen im Dunkeln gelauert auf die Stunde, da der Mensch schwach wird, da er seine ihm von Gott auf Freiheit gegründete Stellung im ordo eigenmächtig verläßt, da er dem Druck des Bösen nachgibt, sich von den Mächten höherer Ordnung loslöst und so, nachdem er den ersten Schritt freiwillig getan, zum zweiten und dritten und immer mehr getrieben wird mit rasend steigender Geschwindigkeit – überall und zu allen Zeiten der höchsten Not sind Menschen aufgestanden, Propheten, Heilige, die ihre Freiheit gewahrt hatten, die auf den Einzigen Gott hinwiesen und mit seiner Hilfe das Volk zur Umkehr mahnten.Wohl ist der Mensch frei, aber er ist wehrlos wider das Böse ohne den wahren Gott, er ist wie ein Schiff ohne Ruder, dem Sturme preisgegeben, wie ein Säugling ohne Mutter, wie eine Wolke, die sich auflöst. (…) Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen; die Weiße Rose läßt Euch keine Ruhe!“

(Viertes Flugblatt der Weißen Rose)

Im Angesicht eines generellen gesellschaftlichen Konsenses, der sich auf die volle Autorität des wissenschaftlichen Konsenses stützen konnte, der die Notwendigkeit des Völkermordes stützte, konnten solche glaubensbasierten Appelle an das Gewissen und den menschlichen Anstand keinen großen Eindruck machen – und der Holocaust ging weiter.

3 Antworten zu “Zum 8. Mai – Tag der Befreiung

  1. Haben Sie auch mal irgendetwas aktuelles zu berichten, oder wärmen Sie Geschichten, die über ein halbes Jahrhundert alt sind, gern auf.
    Ach, noch etwas: Deutschland wurde nicht befreit, Deutschland wurde besiegt! Punkt und Aus.

  2. Und das ist auch gut so.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s