blink 02 besticht durch Themenvielfalt

Stolze 84 Seiten umfasst die zweite Ausgabe des Quartalsmagazins blink, das im letzten Jahr von Daniel Fallenstein und Aaron Koenig ins Leben gerufen wurde und das Ziel verfolgt, im bürgerlich-liberalen, libertären und konservativen Segment des Medienmarktes Fuß zu fassen.

Dem Leser wird das Kennenlernen der Zeitschrift vorerst auch noch sehr leicht gemacht – die PDF-Fassung steht in vollem Umfang kostenfrei zum Download bereit, nur das reguläre Papier- und das Förderabo sind kostenpflichtig, wobei die Idee, den Preis an die Entwicklung des Silber- und Goldpreises zu koppeln, als ausgesprochen pfiffig und originell erscheint.

Optisch ansprechend gestaltet, bemüht sich die Redaktion auch um inhaltliche Breite, wobei das Setzen von Themenschwerpunkten diesem Unterfangen, wie sich zeigt, nicht im Wege stehen muss.

Dass ausgerechnet dem Zählkandidaten im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, Ron Paul, ein erheblicher Teil des gesamten Heftes gewidmet wird, obwohl schon zum Zeitpunkt der Entstehung absehbar war, dass der Kandidat für ein freies Amerika Mitt Romney heißen würde, muss man nicht wirklich verstehen.

Daniel Fallensteins Artikel über den Kongressabgeordneten ist unabhängig davon jedoch informativ, absolut lesenswert und – im Unterschied zu dem, was man in der heimischen Presse und von seinen Anhängern auf facebook und Blogs zu lesen bekommt – auch nicht unkritisch.

Das Interview mit drei deutschen Ron-Paul-Anhängern (bei denen man nicht weiß, ob die Betonung in diesem Fall auf „deutsch“ oder auf „Ron-Paul-Anhänger“ liegen sollte) stellt den Kandidaten  dann sogar in einer Weise bloß, die wahrscheinlich nicht einmal er verdient hätte – allerdings haben das viele Paulbots so an sich und daher ist es auch nicht überraschend, dass man einmal mehr zu lesen bekommt, Querdenkern würde in den USA regelmäßig ein böses Ende bereitet, es gäbe noch „viele ungeklärte Fragen“ zum 11.September und dass Ron Paul nur dann nicht Präsident würde, wenn nicht alles mit rechten Dingen zuginge.

Der andere Themenschwerpunkt im Heft, „Demokratie“, wird wiederum eingeleitet mit einem durchaus interessanten Artikel von Prof. Dr. Gerd Habermann, der sich unter anderem mit Friedrich August von Hayeks Position zum Thema „Liberalismus und Demokratie“, mit dem real existierenden Zustand unseres Gemeinwesens und mit möglichen Auswegen aus dem Parteienfilz befasst.

Dabei ist sein Ansatz, der unter anderem in Richtung Direktwahl der Abgeordneten und mehr plebiszitäre Mitbestimmung geht, auch klug und nachvollziehbar. Angesichts der derzeit herrschenden Mehrheitsverhältnisse und der allgemeinen Stimmungslage könnte das Anstoßen einer Debatte um eine neue Verfassung auf der Basis des Art. 146 GG jedoch böse nach hinten losgehen.

Weiters ist auch die aus München stammende Nachwuchsjournalistin Jennifer Nathalie Pyka in der aktuellen Ausgabe von „blink“ vertreten, deren unbequeme Fragen zur Spendenpraxis eines umstrittenen Kindergartenprojekts in Israel ihr den Zorn eines CDU-Bundestagsabgeordneten und eine beispiellose Hetzkampagne seitens dessen facebook-Anhängerschaft eingebracht hatten, die nicht einmal vor Drohungen mit körperlichen Übergriffen Halt machte. Entsprechend passend erscheint auch ihr aktueller Beitrag über die verlotterte Streitkultur und das stickige Meinungsklima in Deutschland, dessen Grundaussage man auch dann unterschreiben kann, wenn man mit Personen wie Sarrazin oder diversen „Islamkritikern“ inhaltlich nichts anfangen kann.

Weitere Artikel im Heft befassen sich mit Volksentscheiden und direkter Demokratie in Europa, mit dem ESM, mit dem Schweizer Demokratiemodell und mit den Situationen in Indien, Rußland oder Nordafrika nach dem Arabischen Frühling (Letzterer widmet der aus Funk und Fernsehen bekannte Hamed Abdel-Samad einen umfangreichen Gastartikel).

In diesem Zusammenhang kommen auch jene 99% der „Playboy“-Leserschaft, die dieses Machwerk eigenen Angaben zufolge immer nur der interessanten Artikel wegen kaufen, auf ihre Rechnung. So erhält der Leser einen anschaulichen Eindruck von den ausgeprägten exhibitionistischen Neigungen der ägyptischen Bloggerin Aliaa Magda Elmahdy, die es damit immerhin zum 15-Minuten-Starruhm in Europas Medien brachte und dem Wahlkampf der Salafisten kurz vor den Parlamentswahlen im vorangegangenen Winter noch einmal einen kräftigen Boost verleihen konnte.

Interessant sind auch die historischen Beiträge in „blink“, Peter Mokwas Abhandlung über den Liberalismus in Deutschland von den Anfängen bis 1848 trotz des darin enthaltenen, eher nervigen, wohlfeilen Romantik-Bashings und Steffen Krugs Text über die kommerzielle Revolution und die Hanse.

Insgesamt wird es sich lohnen, die weitere Entwicklung der Zeitschrift im Auge zu behalten, da der Markt insbesondere angesichts des teilweisen Abdriftens bisheriger Platzhirsche wie „eigentümlich frei“ in die Ecke der Verschwörungsspinner und Antiamerikaner und der freiheitsfeindlichen Islamparanoia auf Plattformen wie blu-news ein liberal-konservatives Magazin durchaus gebrauchen kann. Gute Ansätze in dieser Richtung bringt das Format bis dato schon mal mit.

Die neue Ausgabe von „blink“ steht auf http://blink.li zum Download bereit.

2 Antworten zu “blink 02 besticht durch Themenvielfalt

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