Wer ist schuld am Le-Pen-Erfolg?

Am Ende hatte es Nicolas Sarkozy zwar noch einmal geschafft, knapp an seinen Rivalen Francois Hollande heranzukommen – die Chancen für einen Überraschungserfolg im zweiten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen sind trotzdem außerordentlich gering.

Kein Wunder also, dass die heimischen “Qualitätsmedien” sich entspannt zurücklehnen können und sich in ihrem selbstgewählten Volkserziehungsauftrag auf jenen Teilaspekt des Ergebnisses konzentrieren können, der in Juropps “rechts-freier” Zone für besonderes Aufsehen sorgt: Die Kandidaten des Front National, Marine Le Pen, schaffte es zwar nicht in die Stichwahl, aber konnte mit knapp 19% sogar das Rekordergebnis ihres Vaters aus dem Jahre 2002 übertrumpfen.

Erfreulicherweise lässt die intellektuelle Elite dieses unseres Landes uns auch in einer solchen Stunde nicht im Stich und sagt uns, was wir darüber zu denken haben. Man macht nunmehr die angeblich “rechtspopulistische” Rhetorik Sarkozys für den Erfolg der Nationalistin verantwortlich.

Was die übliche Propaganda wieder einmal vergisst: Marine Le Pen ist Teil des sozialistischen, wohlfahrtsstaatlichen und etatistischen Konsenses ihres Landes. Sieht man von den 28% für Sarkozy, den 2% für Nicolas Dupont-Aignan (den Konservativen, der offenbar dem Thorsten-Schäfer-Gümbel-Effekt zum Opfer fiel) und dem Großteil der 10% für den Zentristen Bayrou ab, haben 60% der Wähler in Frankreich gestern für eine von mehreren zur Auswahl stehenden Varianten brutalstmöglicher staatssozialistischer Verteilungs- und Gesellschaftsgestaltungspolitik gestimmt.

Wer Marine Le Pen als “rechte” oder in irgendeiner Weise “konservative” Kandidatin betrachtet, glaubt vermutlich auch, dass man durch den Genuss von Schokoladen der Marke “Ritter Sport” zur Sportskanone wird.

Marine Le Pen ist

  • für das “Recht auf Abtreibung”,
  • für das Verbot der freien Religionsausübung (zumindest für bestimmte Gruppen),
  • für Protektionismus und gegen freie Märkte
  • für die Ausweitung des Staatseinflusses in Bildung, Wirtschaft und überall sonst, wo er nichts verloren hat.
  • antiamerikanisch und nur so lange israelsolidarisch, wie sich diese Haltung für ihre antiislamische Agenda ausschlachten lässt

Sie vertritt also eine klassische sozialistische Programmatik, bloß eben ultranationalistisch eingefärbt.

Höchstens 50% ihrer Wähler werden für Sarkozy stimmen, weil Hollande aus ihrer Sicht Zuwanderern zuviel abgeben würde. Ein Teil wird zu Hause bleiben. Ein Teil für Hollande stimmen. Sie sind eine eigene Gruppe an Akteuren innerhalb des Verteilungskampfes, das Verteilen als solches stellen sie jedoch nicht in Frage. Wer aber a) wie Verteilungsstaat sagt, muss auch b) wie Verteilungskampf sagen, sobald das Geld fremder Leute auszugehen beginnt.

Mit Hollande dürfen die Franzosen sich auf altbackenen Gruselsozialismus der Sorte freuen, die man schon aus den 70er-Jahren kennt. Mehrbelastungen für Unternehmer und “Besserverdiener”, dafür 60.000 staatsbesoldete Lehrer für staatliche Rütlischulen, in denen das Tragen religiöser Symbole verboten ist, aber Glaubensunterweisung in “Klimaschutz” oder der Achtung der “Grenzen des Wachstums” erfolgt.

Da man als guter Europäer – offiziell aus Angst vor der “menschengemachten Erderwärmung” oder weil die Welt so schlecht ist, tatsächlich weil man zu bequem und eigensüchtig ist, um welche aufzuziehen – keine Kinder mehr in die Welt setzt, geht man davon aus, dass es keine “künftigen Generationen” mehr gibt bzw. dass es legitim ist, diesen die Kosten für den Luxus der derzeitigen aufzubürden. Um diejenigen, die noch Kinder haben, dafür zu bestrafen.

Dieses Konzept ist auch für Le-Pen-Anhänger akzeptabel, denn die Leidtragenden werden ja dann immerhin in erster Linie die Kinder muslimischer Zuwanderer sein.

Dennoch könnte der Marsch der Franzosen in den Radikalsozialismus auch sein Gutes haben. Das Rettungsschirm-Europa von Merkel und Sarkozy könnte an den Verschwendungsorgien der neuen Linksregierung zerbrechen, womit sich juroppianische Großmachtfantasien einmal mehr in heißer Luft auflösen würden.

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Eine Antwort zu “Wer ist schuld am Le-Pen-Erfolg?

  1. ich bin eigensüchtig, weil es so wesentlich mehr spaß macht, durchs leben zu gehen, nicht, um eltern zu bestrafen. zugegeben, sollte dies mitschwimmen, ist mir das reichlich egal, aber als bewusste intention möchte ich das zurückweisen.

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